Interview für die Zeitschrift “Tierra y Libertad”

Interview mit zwei Aktivist_innen der „Kollektive in Aktion“ über ein internationales Solidarprojekt der besonderen Art

Als „Kollektive in Aktion“ planen Sie für 2015 eine Rundreise durch Zentralamerika. Wer sind die „Kollektive in Aktion“ und was ist das Ziel Ihrer Karawane?

Die „Kollektive in Aktion“ sind eine Familie diverser libertärer Kollektive aus Mexiko, Amerika, Europa und anderen Teilen der Welt, die die Aneignung sozialer und sachgerechter Technologien und freier Kommunikationsmedien von unten und links nutzen und voranbringen wollen.

Die Karawane will die Menschen in ihrem Kampf für “Land und Freiheit” unterstützen. Die organisierten Gemeinden verteidigen tagtäglich die Umwelt gegen die Zerstörung durch Megaprojekte wie Bergbau, Staudämme, Monokulturen oder Windkraftparks sowie die dahinter stehenden transnationalen Konzerne und die entsprechenden lokalen Profiteure. Im Namen von “Fortschritt” und “Entwicklung” werden die Lebensgrundlagen der örtlichen Bevölkerung attackiert.

Wir wollen einerseits die Repression, die Menschenrechts-verletzungen, die Bedrohungen und Vertreibungen dokumen-tieren, mit denen sie von Seiten staatlicher und ökonomischer Akteure konfrontiert sind. Andererseits möchten wir auch ihre Strategien des Widerstandes und die Alternativen, die sie aufbauen, bekannt machen.
Durch den Erfahrungsaustausch mit anderen Aktiven, durch das Teilen von Wissen und durch Öffentlich-keitsarbeit wollen wir den Widerstand und die Autonomie der Urvölker und Bäuer_innen Mesoamerikas stärken und eine Vernetzung fördern. Wichtig ist uns dabei ein respektvoller und solidarischer Austausch auf Augenhöhe.

Um das zu realisieren, schlagen wir vor, freies und gemeinschaft-liches Radio und Fernsehen zu produzieren und uns diese Medien sowie deren Handhabung für die Verteidigung von Leben, Land und der Freiheit anzueignen. Außerdem wollen wir Workshops und Projekte zu sozialen und sachgerechten Technologien durchführen wie u.a. fahrradangetriebene Maschinen, Trocken- und Komposttoiletten oder sparsame Holzhöfen, die in den Gemeinden bleiben, um dort genutzt zu werden. Und schließlich wollen wir nach und nach mithilfe der Methode der „kritischen Kartografie“gemeinsam mit den Menschen aus den Gemeinden eine Karte erarbeiten, die die Widerstände, das „buen vivir“ und die Autonomie in diversen Aspekten des Lebens widerspiegelt.

surami socialWelche Analysen und Praktiken stecken hinter dem Konzept des “buen vivir”, wörtlich “das Gute Leben”?

Wir sehen, dass die neoliberale Politik neben der Umwelt auch die Gemeinschaft zerstört und die Würde und die Autonomie der Gemeinden angreift. Zudem werden in vielen Regionen nicht einmal die GruGrundrechte wie Bildung, Gesundheit und freie Meinungsäußerung erfüllt. Unterernährung, fehlende medizi-nische Versorgung oder mangelnder Zugang zu sauberem Wasser sind nur einige der Probleme, denen die Menschen ausgesetzt sind.
Deshalb wollen wir während der Karawane Wissen und Fähig-keiten teilen, die ein  solidarisch-ökologisches Miteinander, ein gutes Leben fördern. Beim Konzept des “buen vivir”, das in vielen Dörfern bereits praktiziert wird, geht es um eine klare Orien-tierung am Allgemeinwohl und der Bewahrung der Natur, um die gegenseitige Unterstützung, die Stärkung der kommunitären Autonomie, die Verteidigung der Menschenrechte, die Gleich-berechtigung der Geschlechter und das Recht auf echte demokratische Partizipation bei allen Angelegenheiten, die die Bevölkerung vor Ort betreffen.

Sie haben als „Kollektive in Aktion“ am „1. weltweiten Festival der Widerstände und Rebellionen gegen den Kapitalismus“ teilgenommen, dass von den Zapatistas und dem „Nationalen Indigenen Kongress“ organisiert wurde – welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Unser Einstieg beim Festival begann am 22. und 23. Dezember 2014 in der würdigen Gemeinde von Amilzingo, Morelos. Amilzingo ist eine Gemeinde, die im Widerstand gegen die Gasfernleitung Morelos ist, von der die Gemeinden Puebla, Morelos und Tlaxcala betroffen sind. Hierher kamen auch die Eltern und Freunde der 42 verschwundenen Studenten von Ayotzinapa, Guerrero, Vertreter_innen der 29 „Spiegel“ der Urvölker Mexikos sowie hunderte Einzelpersonen und Kollektive, die Unterzeichner_innen der Sechsten Deklaration der Selva Lacandona sind.

Auf Anfrage der Gemeinde nach logistischer Unterstützung haben wir gemeinsam mit anderen Aktivist_Innen 6 Trockentoiletten, 12 Komposttoiletten und 20 Duschen für die etwa 1000 Teilnehmer_innen errichtet. In Amilzingo und an der „Universität der Erde“ (Cideci), San Cristobal de las Casas, Chiapas, haben wir die „Karawane Mesoamerika für ein Buen Vivir der Menschen im Widerstand“ öffentlich vorgestellt. Unser Wort wurde mit Aufmerksamkeit und Interesse von den Anwesenden gehört und aufgenommen.

Die während des Festivals gewonnene kollektive Erfahrung lässt uns die Spiegel des kapitalistischen Raubes und den würdigen Widerstand sehen, die in den Menschen Mexikos und der Welt reflektiert werden. Wir sehen die Ermordeten, die Gefangenen und Verschwundenen, an die erinnert wurde. Sie sind Zielscheiben des gleichen Vernichtungskrieges, verübt von denen von „oben“, die versuchen ihre Macht und ihre Gewinne mithilfe der Straf-losigkeit zu erweitern. Und wir sehen unsere diversen Kämpfe zur Verteidigung von Leben, Land und Freiheit sowie die verschie- denen autonomen Alternativen, die wir kultivieren – reflektiert in der Möglichkeit einer gerechten Welt, in die viele Welten passen.
Während der Karawane streben wir an, die Erkenntnisse aus den Stimmen der Menschen im Widerstand sowie die Möglichkeiten der organisierten gemeinsamen Aktion, die in dem 600 Seiten langen Bericht vom Festival widergespiegelt werden – weiter-zustreuen.

gravado bicimolinoAnfang Januar fand das 3. Vorbereitungstreffen der Karawane statt, wie sehen die nächsten Schritte aus?

Nach unserem Treffen als „Kollektive in Aktion“ haben wir den Zeitplan und die nächsten Schritte der Karawane konkretisiert. Von den Spenden aus der erfolgreichen Crowdfundingkampagne haben wir einen ersten Teil der benötigten Mittel für die Karawane erworben und bspw. eine Foto- und Videokamera gekauft.

In den nächsten Monaten werden wir uns darauf fokussieren, weitere Gelder und fehlende Materialien zu sammeln, die es uns ermöglichen, die Route und die Workshops umzusetzen. Dabei freuen wir uns über jede Unterstützung bei der Verbreitung unseres Projektes und unserer Kampagnen.
Im Januar und Februar werden wir daran arbeiten, den Bus in ein „Mobiles Laboratorium für ein Buen Vivir“  umzugestalten – bereit für die Workshops zu freiem Radio und Fernsehen und bepackt mit allen nötigen Werkzeugen für den Bau von sozialen und sachgerechten Technologien.

Wir haben mehr Karawanist_innen in unser Team aufgenommen und Komissionen und Arbeitspläne geschaffen. Jetzt ist es Zeit, weitere interne Übereinkommen zu treffen und uns als Karawanist_innen vorzubereiten, indem wir im weiteren Kontakt mit den Gemeinden die kollektiven Arbeiten konkretisieren, die wir dieses Jahr realisieren wollen.

Abhängig von der Beschaffung von Ressourcen, hoffen wir, die Tour der Karawane im April in den mexikanischen Staaten Morelos, Guerrero, Oaxaca und Chiapas starten zu können. Unser Ziel ist es, im Mai nach Guatemala zu reisen und im Oktober Panama zu erreichen.

Mehr Informationen unter:
https://caravanaparaelbuenvivir.wordpress.com
Unterstützungsmöglichkeiten unter:
http://transgalaxia.org

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